Wohnen auf Zeit |
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Wohnen auf Zeit dürfte im wesentlichen ein Synonym möbliertes Wohnen darstellen. Denn wer auf Zeit wohnt, ist in erster Linie kein Liebhaber von Luftmatrazen oder kahlen Wänden – er benötigt lediglich für eine gewisse Zeit ein möbliertes Domizil. Für gewöhnlich: in einer anderen Stadt oder Region, für einen zweckgebundenen Aufenthalt.
Im Vergleich zu anderen Zweigen der Immobilienwirtschaft ist der Sektor Wohnen auf Zeit in Deutschland eine vergleichsweise junge Disziplin. Immobilienverkauf, Gewerbevermietung, Hausverwaltung: all diese Bereiche haben eine weit längere Tradition. Beim Wohnen auf Zeit steht die Intensität der Entwicklung jedoch in direktem Gegensatz zur historischen Dauer.
Die Anfänge gehen auf die späten 80er bzw. frühen 90er zurück. Das wirtschaftliche Eigengewicht der Branche dürfte sich allerdings erst in den Entwicklungen um die Jahrtausendwende abgezeichnet haben.
Wie so viele andere Dinge im Leben auch, hat Wohnen auf Zeit etwas mit elementaren Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt zu tun. Was immer das auch im einzelnen bedeuten mag: die berüchtigte Globalisierungswelle hat auch Deutschland in den 90er Jahren erfaßt. Sowohl national als auch international rückten die Märkte enger zusammen. Und mit Ihnen: die zugrundeliegenden Austauschprozesse.
Wurde in den 70er Jahren noch eine Versetzung in den Nachbarort als schwere Körperverletzung gewertet, so sind berufsbedingte Ortsveränderungen schon längst zur alltäglichen Erscheinung geworden. Ihren Untergrund bilden Wirtschaftstendenzen, die weit über lokale Beziehungen hinausgreifen.
Das Bild des Sattlers, der an einem bestimmten Ort der Welt geboren wird, um just an diesem Ort auch sein Leben lang Sättel herzustellen, ist für die moderne Wirtschaftswelt eine denkbar unzutreffende Leitvorstellung. Der Mensch der Gegenwart wird nicht nur viel leichter auf die Reise geschickt, der berufsbedingte Ortswechsel ist vielen Branchen bereits so vertraut wie der Kaffeeautomat in der Kantine. Und damit natürlich: das Wohnen auf Zeit. 6 Monate Hamburg, 1 Jahr Köln.
Überall wird versetzt, investiert, gewechselt und kooperiert. Auf Basis von überregionalen Expansionen, Projekten, Zusammenschlüssen oder Aufträgen. Nicht nur in der nationalen Sphäre, sondern vor allem auch international.
Es ist also keineswegs so, daß Wohnen auf Zeit einem Spleen des Zeitgeistes entsprungen wäre. Das Phänomen hat seine Wurzeln in radikalen Veränderungen von ökonomischen Grundfaktoren. Ob dieser Wandel nun gut ist oder nicht, haben wir nicht zu beurteilen. Entscheidend ist, daß er stattfindet. Der angelsächsischen Wirtschaftsumgebung jedenfalls sind die entsprechenden Tendenzen schon länger vertraut (vornehmlich: der US-amerikanischen). Die Flexibilisierung der Arbeitswelt hat dort eine ältere Tradition - und ineins damit: die Stellung der möblierten Immobilie (bzw. auch: von „Wohnen auf Zeit“).
In Deutschland jedenfalls ging die Entwicklung schnell. Um nicht zu sagen: zu schnell für gewohnte Wahrnehmungsmuster. Nichtsdestotrotz ist das Phänomen wohl längst im Reich der Zahlen angekommen. Nimmt man z.B. die Bilanzrankings des „Immobilienmanager“ für 2008 zur Hand (Septemberausgabe S. 19), so fällt auf, daß e-rent allein aus der Möbliertvermietung im Rheinland fast 60% der Umsätze generiert, die der gesamte Franchise-Verband von Engels & Völkers in der Vermietung von Wohnimmobilien erreicht (das sind immerhin über 150 Filialisten zusammen).
Auch wenn E-rent ein Sonderfall sein mag: Es läßt sich durchaus erkennen, daß Wohnen auf Zeit anderen Regeln folgt als die Branche traditioneller Vermietung. Sie hat eine eigene Klientel, einen eigenen Hintergrund und eine eigene Dynamik. Wen wundert es da, dass Wohnen auf Zeit auch mit einem eigenen Leistungsprofil einhergeht?